Periphere Neuropathien

Periphere Neuropathien beeinträchtigen die Lebensqualität und Leistungs-

fähigkeit von betroffenen Patienten aufgrund der resultierenden motorischen und sensorischen Ausfälle erheblich. Zudem stellt das nachfolgend häufige

Auftreten von chronischen Schmerzen ein großes Problem dar.

Akute Nervenverletzungen durch Unfälle oder Operationsschäden können ebenfalls zu chronischen Neuropathien führen. Eine Behandlung ist oft sehr langwierig und geht daher mit hohen Therapie- und Rehabilitationskosten einher. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit pro Behandlungsfall bei Nervenläsionen ist fast doppelt so lang wie bei anderen Verletzungen und in einigen Fällen aufgrund der unzureichenden Regenerationsfähigkeit von Nervenfasern leider auch dauerhaft.

Derzeitige Therapieoptionen beschränken sich, je nach Schweregrad, auf operative Eingriffe (u.a. Nervenrevision, Nervennaht oder Überbrückung) und konservative Maßnahmen wie z.B. Krankengymnastik oder Elektrostimulation.

Der Erfolg der Regeneration der Nervenfasern ist abhängig von der Art der Schädigung, der Distanz bis zum Zielgebiet der Nervenfasern und dem Zeitpunkt der Behandlung nach Verletzung. Mit der Zunahme der notwendigen Regenerationsdistanzen nimmt die Wahrscheinlichkeit von dauerhaften Schädigungen erheblich zu.

Eine klinisch-etablierte Therapie, welche die Regeneration der Nervenfasern beschleunigen und somit auch qualitativ verbessern könnte, steht momentan noch nicht zur Verfügung.


Pathophysiologie:


Nervenfasern, die sog. Axone, leiten motorische Signale von Gehirn und Rückenmark zu ihren peripheren Zielorganen wie Muskeln. Umgekehrt gelangen sensorische Signale über das periphere Nervensystem (blau) z.B. von der Haut zum Rückenmark (rot). Axonale Schädigungen, z.B. durch Kompres-

sionen, Unfällen, Diabetes und Chemotherapie, in Nerven führen zur Unter-

brechung dieser Verbindungen und daher zu entsprechenden Funktionsver-

lusten. Diese zeigen sich in Form von Lähmungen, Taubheit und chronischen Schmerzen. Wenngleich verletzte periphere Nerven prinzipiell regenerieren können, ist eine funktionelle Genesung in erster Linie von der spontanen axonalen Regenerationsgeschwindigkeit abhängig. Insbesondere eine lange Regenerationsstrecke, wie bei Nervenschäden an Beinen und Armen, ist aufgrund der unter optimalen Bedingungen begrenzten axonalen Wachstums-

rate von maximal ca. 1-2 mm pro Tag problematisch und würde eine Regene-

rationsdauer von mehreren Monaten bis zu Jahren bedeuten. Häufig ist eine vollständige Regeneration gar nicht mehr möglich, da eine zu lange Regene-

rationszeit zu irreversiblen Schäden der Zielstrukturen führen kann.

Ziel unserer Forschung ist daher die Entwicklung neuer Strategien zur Erhö-

hung der Regenerationsgeschwindigkeit von verletzten Nervenfasern. Dadurch würde nicht nur die Genesungszeit verkürzt, sondern auch irreversible Schädi-

gungen verhindert bzw. reduziert. Eine neue Wirkstoffklasse, die im Tierexperiment diese Eigenschaften zeigt, wird momentan im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes am Lehrstuhl untersucht (PARREGERON).  

Problematik:

Lähmung

Taubheit

Schmerzen